Ein unfertiger Blogartikel im Entwicklungsprozess
Das ist hier nicht zu Ende gedacht. Mein Anliegen ist es, hier nach und nach zu sammeln, was es braucht, damit uns der Entwicklungsschritt in eine Demokratie 2.0. gelingt.
Denn um es mit einem Zitat von Antonio Gramsci zu sagen:
“Die alte Welt liegt im Sterben und die neue Welt kämpft darum, zum Leben zu erwachen: momentan ist die Zeit der Monster.”
Was können wir in Zeiten wie diesen tun, wo die bestehenden demokratischen Systeme sich fast selbst zersetzen aber das neue noch nicht richtig greifbar scheint?
Denn die Grundidee der Demokratie – gleichmässig verteilte Macht = Freiheit und gleiche Würde für alle – ist nach wie vor genial und kein anderes politisches System kann den hervorragenden Output an Wohlstand für alle gewährleisten, den eine Demokratie bieten kann.
Aber zur Zeit sind Menschen aller politischen Lager schwer enttäuscht von der momentanen Demokratie in Deutschland. Unter dem Deckmantel der „Demokratie“ herrschen Lobbyisten und Autokraten und fördern aktiv eine Spaltung der Gesellschaft. Wenige Reiche und viele Arme – das ist das, worauf wir gesellschaftlich aktiv zusteuern. Das Vertrauen in Transparenz und Führungsqualität ist dahin, die Wut oder Verzweiflung ist überall da und lässt sich gleich wunderbar für Propaganda ausnutzen.
Woran krankt es genau? Welche Erneuerung braucht es, um politische Machtkämpfe in gleichwürdige Dialoge zu verwanden? Wie können wir Mitgestaltung und Mitbestimmung leben statt nur alle vier Jahre ein Kreuz in der Wahlurne zu machen und dann Politik anderen zu überlassen? Wie können wir die gesellschaftliche Ohnmacht überwinden und in Gestaltungslust überführen?
Inhalt Demokratie 2.0. erfinden
Die zwei einzigen Organisationsmodelle für Gruppen oder Staaten
Ein Gesellschaft muss sich entscheiden (oder trifft eine unbewusste Entscheidung) darüber, wie sie sich selbst versteht. Welche Regeln gelten? Was ist wichtig? Wie werden Entscheidungen getroffen? Was wird nicht toleriert?
Dabei gibt es nur zwei mögliche Systeme, die sich auf der Welt herausgebildet haben. Beide Systeme haben unterschiedliche Regeln, Werte und Intoleranzen – in gewisser Weise funktionieren beide Systeme.
Die Grundfrage ist: Soll es allen gut gehen oder einigen wenigen Mächtigen sehr gut auf Kosten der Anderen?
Auch wenn beide Systeme funktionieren, wissen wir aus Erfahrung, dass kooperative Gesellschaften flexibler, freier, kreativer und krisenfester sind als autokratische Systeme, die ein hohes Maß an Unterdrückung, Kontrolle und Gewalt brauchen, um die „Ordnung“ (nämlich dass es wenigen Menschen außerordentlich gut geht) aufrecht zu erhalten.
Die vergessene Idee der Demokratie
Die Grundidee der Demokratie ist es, dass es für alle reicht, dass es genügend Wohlstand gibt, so dass es allen ungefähr gleich gut gehen kann.
Die 2. Grundidee der Demokratie ist, dass Menschen durch Dialog und Kooperation gemeinsame Lösungen finden, die allen gut dienen.
Die 3. Grundidee der Demokratie ist: Lösungen funktionieren nur für alle gut, wenn alle Menschen gleiches Daseins- und Mitspracherecht haben und unterschiedliche Standpunkte gehört und anerkannt werden.
Daher kommt der berühmte wichtige Satz in unserer Verfassung: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Dieser Satz über Würde hat – so meine praktischen Erfahrungen aus über 10 Jahren Coaching – kaum oder eigentlich gar kein praktische Bedeutung im Alltagsleben. Erst nachdem ich mich lange mit Respekt und persönlichen Grenzen fachlich auseinandergesetzt habe, meine ich die Wichtigkeit dieses Satzes nun zu verstehen.
Es ist ein sinnbildhaftes Problem, wenn der wichtigste Satz der deutschen demokratischen Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ für die meisten Bürger*innen keinen konkreten Alltagsbezug hat!
Das bedeutet ja im Umkehrschluss das das demokratischen Denken keinen Bezug zum Alltag hat und sich im Alltag nicht mehr wiederfindet – da ist es doch kein Wunder, wenn die Demokratie an sich keinen Wert mehr darstellt.
Luxus für Wenige - die Idee von Diktatur / Autokratie
Die Grundidee der Autokratie ist es, dass es nur den einen oder anderen gut geht, also entweder/oder. Gemeinsam gibt es nicht, sondern nur viele Verlierer und wenige Gewinner.
Dafür ist hilfreich:
frühes Sortiersystem in Schule/Ausbildung/Universität nach Leistung (da sich Reiche mehr Unterstützung selbst organisieren können, bevorzugt jedes Leistungssystem automatisch reiche Menschen
wenig Regulierung von mächtigen Firmen, damit diese noch mehr Gewinn machen können auf Basis vieler schlecht verdienenden Mitarbeiter*innen oder Umweltausbeutung
wenig oder gar keine Absicherung/Unabhängigkeit des Einzelnen, sondern nur Einkommen / Besitz sichert Krankenbehandlung/ gute Rente
Propaganda – also gezielte Manipulation Presse der Masse mit falschen Informationen, so dass die Masse gegen die eigenen Interessen handelt und für den Erhalt der Macht für Weniger aktiv beiträgt
Einschränkung /Abschaffung der Pressefreiheit, damit weniger Missstände aufgedeckt werden können und keine Profite oder Machtpositionen von Reichen in Gefahr sind
keine unabhängigen Gerichte, s.o.
Ablenkungspolitik: Hetze auf bestimmte Personengruppen, die an Problemen der Gesellschaft schuld sind anstatt echte Lösungspolitik
Warum versagt die Demokratie zur Zeit?
Mißtrauen - die Wurzel allen Übels
Ohnmacht - das demokratiezersetzende Gefühl
Konsum als Wohlstand
Das Streben nach immer mehr materiellem Wohlstand, der ständige Konsum macht aus Bürger*innen gehorsame Einzelkämpfer*innen, die sich immer weiter darin verstricken, wer mehr Haus, Auto oder Geld hat und wie man noch mehr bekommen könnte.
Konsum als eine Art politische Fessel der Masse – das spielt Autokraten so richtig gut in die Hände. Wer davon träumt, dass es „mit ein wenig harter Arbeit“ mir bald besser geht, der wenig das polititsche System in Frage stellen und überhaupt wenig Grundsatzfragen stellen, ob die Aktivitäten dem Gemeinwohl dienen oder nachhaltig für nächste Generationen sind.
Vivian Dittmar stellt in ihrem Buch „Echter Wohlstand“ ein Plädoyer für neue Werte.
„Wir sind eingesperrt in einen goldenen Käfig und finden den Schlüssel nicht mehr“, heißt es. Das Fazit der Autorin lautet: „Wir ersticken an Dingen und haben keinen Raum mehr zu atmen. Wir sind angewiesen auf einen nie abreißenden Strom an Konsum und Unterhaltung, um den inneren Mangel in Schach zu halten“. Dittmar sieht das einseitige Streben nach materiellem Wohlstand als Wurzel des Übels. Sie plädiert für einen Kurswechsel zu mehr Lebensqualität.
Mehr Beachtung schenken sollte jede und jeder der Zeit, den Beziehungen, der Kreativität, der Spiritualität und der Untrennbarkeit des Menschen mit der Natur.
Der fehlende Wert Respekt
Der fehlende Wert Ehrlichkeit
Ehrlichkeit und Authentizität sind zur Zeit keine Werte, die in der Politik eine Rolle spielen. Am weitesten kommt zur Zeit, wer am meisten Fake-News verbreitet und bewusst Wahrheiten verdreht.
Wenn Wahrheit ein wichtiger Wert wäre, dann wäre dies selbstverständlich:
Fake-News sind verachtet und werden strafrechtlich verfolgt, Politiker*innen, denen einmal Fake-News nachgewiesen werden, werden von der politischen Bühne disqualifiziert
Zeitungen oder Social Media unterliegen strengen Regulierungen oder Sanktionen, ob die demokratischen Grundregeln eingehalten werden
Dialog und Transparenz ist ein Qualitätsmerkmal
Meinungsfreiheit bedeutet nicht Sprachfreiheit für Hass und Hetze. Politiker*innen, die Hass und Hetze nutzen, werden von der politischen Bühne disqualifiziert
Der fehlende Wert Nachhaltigkeit
L.
fehlende Prozesse für Bürger*innendialoge und Mitgestaltung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens
Dialogformat „Sprechen & Zuhören“ vom Verein Mehr Demokratie e.V.
„Das Dialogformat ist leicht durchführbar und eine einfache Möglichkeit, um das demokratische Miteinander zu stärken. In Dreier- oder Vierergruppen sprechen Menschen nach einfachen Regeln darüber darüber, wie es ihnen in Bezug auf ein bestimmtes gesellschaftliches Thema geht. Vergangene Veranstaltungen beschäftigten sich z. B. mit den Klimaprotesten, dem Ukraine-Krieg und dem Umgang mit der AfD. Hier sind die wichtigsten Merkmale des Formats:
- Menschen sprechen in Kleingruppen à 4 Personen zu einer Frage.
- Jede Person spricht gleich lang: 4 Minuten.
- Es wird nacheinander gesprochen, reihum ohne Unterbrechungen und Zwischenfragen.
- Dieselben 4 Personen sprechen je dreimal, d. h. es gibt 3 Gesprächsrunden.
- Es gibt eine Frage (Beispiele s. nächste Seite) für alle 3 Runden.
Sprechen & Zuhören ist einfach zu verstehen und in kurzer Zeit durchführbar. Unabhängig von der Gruppengröße kann es in gut 60 Minuten durchlaufen werden. Die positive Wirkung unter den Beteiligten ist erstaunlich. Das Format schafft Entspannung, Offenheit und Verbundenheit bei den allermeisten Teilnehmenden. Dadurch wird eine darauf folgende sachlich-inhaltliche Diskussion leichter, konstruktiver und produktiver.“
Quelle: https://www.mehr-demokratie.de/mehr-wissen/demokratische-kultur/sprechen-zuhoeren
Ein kurzes Portrait findest Du in diesem Beitrag vom NDR: https://www.ardmediathek.de/video/das-rote-sofa/dialogformat-sprechen-und-zuhoeren-vom-verein-mehr-demokratie/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS83ODIxM2I4ZS00NWYxLTQxOTktYjg1YS05MzE4OWUxYTRmYmM
Führung mitgestalten
Wenn sich die Menschen, die von Lehrer*innen oder Chef*innen geführt werden nicht zum Prozess der Führung selbst äußern können, entsteht Ohnmacht und eine Mecker- oder Intrigenkultur. Wie können wir also Rückmeldung und Mitgestaltung ermöglichen, ohne die Führung auf Augenhöhe selbst aufzugeben?
Maike Plath hat dazu ein System entwickelt:
„Die vier demokratischen Führungs-Joker sind eine Erfindung (Maike Plath), um jegliche Arbeits- und Lernprozesse von Anfang an demokratisch gestalten zu können und sich dabei auf einer Sachebene zu verständigen (in Abgrenzung zur Beziehungs- oder Appell-Ebene, Friedemann Schulz von Thun).
Jedes Mitglied der Gruppe hat jederzeit die Möglichkeit, über diese vier Führungs-Joker zu verfügen und damit anzuzeigen, wo innere Grenzen überschritten werden. Die vier demokratischen Führungs-Joker gelten nicht nur beim Spiel »Wahrheit oder Pflicht«, sondern grundsätzlich in allen Phasen des gesamten Prozesses:
Tempo: Wenn eine Spielerin den Arbeitsprozess als zu langsam bzw. langweilig oder unterfordernd empfindet, darf sie an die jeweilige Person, die führt, »Tempo!« zurückmelden. Auf diese Weise erfährt die Führung, dass diese Spielerin mehr Input braucht.
Klarheit: Wenn ein Spieler etwas nicht versteht, sei es akustisch, sprachlich, inhaltlich, oder weil die Formulierung undeutlich oder zu kompliziert erscheint, darf der Spieler »Klarheit« zurückmelden und die Führung auf diese Weise auffordern, sich deutlicher oder anders auszudrücken. Der Führungs-Joker »Klarheit« bedient den Aspekt der Barrierefreiheit: Wenn ich etwas nicht verstehe, ist das nicht meine »Schuld«, sondern liegt in der Verantwortung der Führung, die so kommunizieren muss, dass die Mitglieder der Gruppe alle partizipieren können (Prinzip wie beim Ball-Warm-up: Nicht derjenige, der den Ball nicht fängt »hat Schuld«, sondern derjenige, der den Ball »so schlecht geworfen hat« – natürlich ist diese »Schuldfrage« humorvoll zu sehen. Dennoch handelt es sich hier um ein grundlegendes Prinzip: Wer führt, trägt die Verantwortung dafür, dass alle verstehen, was die Führung vermitteln will. Die Führung kann diese Kompetenz dadurch immer weiter trainieren, dass sie ehrliche Rückmeldungen von den anderen Gruppenmitgliedern erhält. Diese Rückmeldungen sind nicht als Kritik, sondern als Hilfestellung und wertvolle Information zu sehen.
Verantwortung: Wenn eine Spielerin das Gefühl hat, dass Aufträge, persönliche Ansprache und/oder Anweisungen die inneren Grenzen anderer Spieler*innen überschreiten, diese sich aber vielleicht nicht trauen, rechtzeitig »Veto!« einzufordern, dann darf diese Spielerin »Verantwortung!« rufen und der jeweiligen Führung auf diese Weise signalisieren, dass hier eventuell Grenzen überschritten werden und die Anweisungen modifiziert oder abgeschwächt werden sollten.
Veto: Jede und jeder einzelne Spieler*in kann zu jeder Zeit einen Auftrag oder eine Anweisung ohne Begründung verweigern.
Erst dadurch entsteht der innere Freiraum, sich auf Neues und Fremdes einzulassen und sich zu trauen, Risiken einzugehen.
Die vier demokratischen Führungsjoker sind Karten des Theatralen Mischpults. Sie können aber in allen Lehr- und Lernprozessen in allen Fächern, Kontexten und Lernprozessen angewandt werden. (Die vier Karten befinden sich im »Methodenrepertoire für Tanz und Bewegung«, Beltz 2017.)“
Quelle und mehr dazu:
Vier demokratische Führungs-Joker: Tempo – Klarheit – Verantwortung – Veto
Machtstreben und Patriarchat
Zu diesem Thema könnte und müsste viel gesagt werden. Ich will hier nur eine winzige Inspiration geben.
Den Song und das Video von Paris Paloma finde ich hervorragend, denn das Patriachat und seine immanente Verherrlichung von Macht hat etwas damit zu tun, dass unsere derzeitige Demokratie so schlecht funktioniert.
„Good Boy“ können wir seit dem Video allen Männern zurufen, die der Illusion des Machtkampfs Glauben schenken und das System von Konkurrenz und Macht für Wenige bedienen („You are working exactly as intended“).
Im Video ist „das Patriarchat“ unter anderem eine Manipulation von Männern, denen eingeflüstert wird, sie seien ein „braver Junge“, wenn sie im Konkurrenzsystem die Karriereleiter aufsteigen und den manipulativen Versprechungen glauben, sie werden dann einer von den wenigen Mächtigen/Reichen. Doch in Wahrheit gehen die Menschlichkeit und auch das gute Männliche „vor die Hunde“, denn destruktive Macht nutzen ist wie Salzwasser trinken, es taugt nicht den Menschen am Leben zu erhalten, es ist sozusagen Gift.
Und an den Frauen, die das kranke System durchschauen und scheinbar der Macht im Weg stehen, entlädt sich der Hass. Sie werden nicht ernst genommen, des Platzes verwiesen und zum Schweigen gebracht.
Doch wenn jede/jeder nach maximaler Macht über andere strebt, dann führt das nur zu Konkurrenz und einem Ellenbogenkampf jeder gegen jeden – niemand möchte ernsthaft in einer solchen Gesellschaft leben, wo wir doch wissen, dass kooperative Gesellschaften viel entspannter, freudvoller, gesünder und auch kreativer und produktiver sind!
Im Song gibt es die Zeile: „The Tragedy of Loosing everything you`ll never taste“. Die Tragödie alles zu verlieren, was Du nie gekostet hast meint, dass es im Konkurrenzsystem keine echten Gewinner, sondern nur Verlierer gibt. Und das, was wirklich erstrebenswert wäre wie Würde, nährende Beziehungen auf Augenhöhe, inspirierende Zusammenarbeit, können Menschen im System Patriarchat nie kennenlernen!
Das Video ist toll – aber noch spannender wird es, wenn man das zweite Video zum Making of dazu nimmt! Im Making Of -Video können wir erahnen, mit welcher Freude hier Frauen und Männer auf Augenhöhe zusammengearbeitet haben. Der Schaffensprozess des Videos zeigt also genau das, was uns im grossen Stil noch nicht möglich ist: kooperativ und co-kreativ zusammenarbeiten unabhängig vom Geschlecht, das ist für alle ein Genuss und lässt die wunderbarsten Dinge entstehen, nicht nur im künstlerischen Bereich!
Geschlechtergerechtigkeit noch nicht in Sicht - das Patriarchat führt zu unsichtbarer und unbezahlter Care-Arbeit von Frauen
Es ist eine traurige Tatsache, dass unsere Gesellschaft nur deshalb so funktioniert, wie sie funktioniert, weil gerade Frauen unbezahlte und wenig wertgeschätzte Care-Arbeit leisten, dafür aber mit geringerem Verdienst und schlechterer Rente am Ende dastehen.
Deshalb wird seit 2016 der Equal Care Day veranstaltet. Das ist eine deutsche Initiative, die Menschen, Organisationen und Institutionen weltweit dazu aufruft, auf mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Ins Leben gerufen wurde der Equal Care Day von Almut Schnerring und Sascha Verlan, die mit ihrem Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“ einen Nerv bei vielen Eltern getroffen haben.
Im Interview von familie.de wird Johanna Fröhlich Zapata gefragt: „Warum hast Du den „Who Cares“ Rechner eingeführt?
Weil ich finde, dass der Who-Cares-Rechner ein super Tool ist, um der Care-Arbeit einen WERT beizumessen. Und in unserer Gesellschaft funktioniert dieses „sichtbar machen” am besten über Geld. Care ist eben eine unbezahlte Tätigkeit, die zu 80 % von Frauen übernommen wird. Das hat ganz konkrete finanzielle Folgen!“
Mehr dazu
https://www.familie.de/familienleben/johanna-froehlich-zapata-so-entkommt-ihr-der-fuersorge-falle/
Welches Mindset und welche Regeln braucht Demokratie 2.0?
- Die Würde des Menschen ist unantastbar
Welche unverhandelbaren Rahmenbedingungen braucht Demokratie 2.0?
Damit das funktioniert, braucht es diese sechs Rahmenbedingungen:
das meiste Geld muss in einer Demokratie in den Bildungsbereich und in Familienpolitik fliessen – als indirekte Gesamtinvestition in Gesundheit, Wirtschaftskreativität und innovativer Umbau der Gesellschaft = breites und gutes Schul/Ausbildungs/Universitätssystem für alle, Chancengleichheit unabhängig vom sozialen Status/Einkommen
Bildung heisst nicht nur Fachwissen, sondern auch „Ich und Wir-Kompetenz“ zu erwerben, also die Kompetenz sich selbst wahrzunehmen, Gemeinschaft aktiv gestalten zu können, Konfliktlösestrategien nutzen zu können
soziale Absicherung und Unabhängigkeit des Individuums durch umlagenfinanzierte Kranken- und Rentenkasse
Pressefreiheit für komplexe und wissenschaftliche Meinungsbildung
unabhängige Gerichte, um gegen Missstände effektiv vorgehen zu können
Lösungsorientierte Politik aufgrund von Dialogen und transparenten Entscheidungen
Nicht tolerierbar sind in einer Demokratie, da sie die Demokratie langfristig aushebeln:
Hass, Hetze, abwertende Sprache gegenüber Menschen, Tieren, Dingen
politische Lobbyarbeit für Profitinteressen weniger
Fakenews = Erfindung und Verbreitung von erfunden Tatsachen
Algorithmen, die über Menschen entscheiden: Kreditwürdigkeit, Zugang zum Internet, Bankgeschäfte, personalisierte Nachrichten
Bildungs- und Familienpolitik ist die Messlatte, wie sehr eine Gesellschaft demokratisch sein will
Ein System von Ellbogen-Konkurrenz und Machtkampf kann sich erfahrungsgemäß überall auf der Welt immer schnell von selbst durchsetzen. Es braucht nur genügend Angst und ungleich verteilte Ressourcen, schon funktioniert das System.
Demokratie ist anspruchsvoller. Es verlangt von den Beteiligten, dass das Nervensystem einigermassen entspannt ist! Nur dann kann man miteinander reden ohne aufeinander loszugehen. Nur mit entspanntem Nervensysten kann man Unterschiede aushalten ohne die Lösung sofort zu kennen.
Damit Menschen ein entspanntes Nervensystem haben, braucht es möglichst viele Menschen, die nicht aus einem Kindheitstrauma heraus unbewusst handeln.
Unbewusstes Trauma ist der größte Feind der Demokratie!
Schwer traumatisierte Menschen richten ihre zerstörerischen Schmerz nach außen in Form von Machtkampf und Kontrolle über andere oder nach innen in Form von Selbstverletzung. Beides verhindert aktiv Demokratie!
Demokratie fördern bedeutet also, alles dafür zu tun, dass es Familien optimal gefördert werden und wirklich alle Kinder in Kita, Schule und Ausbildung gut durch das Bildungssystem kommen.
Es würde bedeuten, dass Familien bei den kleinsten Problemen freien Zugang zu stattlich finanzierter Streitschlichung und familientherapeutischen Angeboten haben. Dass Trennungen immer gecoacht werden, so dass möglichst alle Beteiligten Hilfe bekommen, ihre Probleme konstruktiv zu lösen. Ein Grundeinkommen würde für finanzielle Sicherheit sorgen und so Druck von Familien nehmen.
Ebenso sollte Erzieher*innen und Lehrer*innen alle von ihnen gewünschten Ressourcen, Fortbildungen und permanente Supervision bekommen, um Kinder bestmöglich zu unterstützen anstatt auszusortieren. Wir brauchen nichts weniger als paradiesische Zustände für Familien- und Bildungspoltitk.
Ein unterfinanziertes Bildungssystem mit Sparauftrag und Überlastung/Unterfinanzierung von Eltern – wie wir das zur Zeit in Deutschland haben – ist also genau das, was Demokratie aktiv zersetzt und den Weg für eine Ellenbogengesellschaft bereitet, die in Autokratie oder Diktatur endet.
Warum für traumatisierte Menschen die Logik von Vertrauen & Kooperation nicht umsetzbar ist
Eine hervorragende Serie zum Wertesystem von Vertrauen & Kooperation oder Mißtauen & Konkurrenz ist das K-Drama „Typhoon Familiy“ aus dem Jahr 2025. Eine Serie, die im Mischen der Genre von Geschichtsaufarbeitung, Romantik, Krimi bis Philosophie durchspielt, wie unterschiedlich sich die Welt gestaltet, je nachdem ob mir meine Eltern Kooperation oder Konkurrenz vorgelebt haben. Der charismatische Held findet immer eine konstruktive Lösung in einer Welt voll Chaos, Hass, Neid und Konkurrenz. Das ist nicht schmerzfrei und geht nicht ohne Verluste – aber es ist letztlich die einzige Chance menschlich zu bleiben. Nur in Gemeinschaft, Teamarbeit und Miteinander können Firmen wie Gesellschaften in ihr größtes Potenzial erblühen…
Das Drama mag im ganzen etwas positiver sein als sich die doch oft traurige Realität gestaltet – aber wer schon einmal ähnliche Prozesse erlebt hat weiß, dass alles im Bereich des Möglichen liegt!
Besonders gut ist das Ende dieser Serie und die Botschaft, dass es für traumatisierte Menschen fast unmöglich ist (ohne Therapie oder gezielte Unterstützung) die Welt der Kooperation und ihre Möglichkeiten überhaupt zu erahnen oder zu begreifen.
Das bedeutet für eine demokratische Gesellschaft ganz eindeutig, dass jedes Kind, das Abwertung, Entwürdigung oder körperliche Gewalt erfahren hat, ein Mensch wird, der vielleicht nie das Wesen von Kooperation und Demokratie begreifen kann – genau hier müssen Familien und Bildungseinrichtungen deshalb grosse Ressourcen für heilsame Prozesse bereitgestellt bekommen. Niedrigschwellige und kostenfreie Präventions- und Therapieangebote für Familien sollten eine Selbstverständlichkeit sein in einer Gesellschaft, die demokratische Werte leben will. Davon sind wir zur Zeit weit entfernt, denn Therapieplätze sind stark reglementiert und entsprechen auch zahlenmäßig lange nicht der Nachfrage insbesondere von jungen Menschen!
Sackgassen, die nicht zu mehr Demokratie führen
Schulfach Krisenschutz
„Die Debatte beginnt mit einer Forderung, die zunächst ganz pragmatisch wirkt: Hessen möchte ein eigenes Schulfach zum Thema „Krisenschutz“ einführen. In der Innenministerkonferenz der Länder wird darüber diskutiert, es bundesweit zu unterrichten. Wegen Putin, wegen hybrider Bedrohungen, wegen einer Welt, die fragiler geworden ist. Der Reflex ist bekannt: Die für Kinder und Jugendliche entstehenden Konsequenzen soll die Schule auffangen. Sirenenübungen, Selbstschutz, Katastrophenhilfe. Klingt nach Entschlossenheit, nach staatlicher Vorsorge, nach Sicherheit im Ausnahmezustand. …
Wir verpassen sonst die wichtigste Aufgabe
Wenn wir von Selbstschutz sprechen, bevor wir darüber sprechen, was wir selbst bewirken, verändern oder lösen können, dann haben wir die Orientierung verloren. Dass Orientierungslosigkeit die Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte gut beschreibt, geschenkt. Wenn wir als Gesellschaft etwas für die Sicherheit tun wollen, dann müssen wir zuerst dafür sorgen, dass junge Menschen sich als Teil dieser Gesellschaft fühlen. Dass sie lernen, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Dass sie verstehen, warum Freiheit nicht selbstverständlich ist und warum sie so leicht verloren gehen kann.“
Bob Blume
https://www.t-online.de/leben/kolumne-bob-blume/id_101029668/krisenschutz-als-schulfach-warum-wir-medienkompetenz-statt-alarm-brauchen.html
Verzweiflung ist angebracht, aber Musik hilft wieder Mut zu schöpfen
Hier ist meine Playlist, die mir hilft, mit meiner Verzweiflung und Angst nicht allein zu sein. Wenn wir uns trauen, die Angst zuzulassen finden wir auch wieder Inspiration und Kraft.
Dass
Serientipps für Beziehungskompetenz
Serien schauen ist Bildungsfernsehen –
wenn Du die richtigen Serien schaust.
Hier findest Du meine Serientipps für mehr Beziehungskompetenz:
